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| Über die Herkunft und Entstehung des Bobtails gibt es keine eindeutigen Nachweise, aber einige recht skurrile Theorien: | |
| So schreibt z. B. Rita G. Fischer in der 2. Auflage ihres Buches "Der Bobtail - Old English Sheepdog - Aufzucht, Haltung und Pflege' von 1982 sowie Jean Gould "Alles über den Bobtail" über die mysteriöse Theorie, daß der Bobtail wegen seines Paßganges, bedingt durch die etwas höhere Hinterhand im Vergleich zur Vorderhand, Bären unter seinen Vorfahren gehabt haben müsse. | |
| Allerdings vertreten beide Autorinnen wie auch Frau Dagmar Ziegler Vowinkel in ihrem Buch "Der Bobtail - Old English Sheepdog' und Frau Gerde Bodenbergen "Britische Hütehunde" von 1982, daß der Bobtail aus dem russischen Owtshar hervorging. Die drei wiesen auch auf die Ähnlichkeit zum französischen Briard, dem italienischen Maremma und den ungarischen Hirtenhunden hin. Da es sich bei den aufgezeigten Hunderassen um Hirtenhunde handelt, der Bobtail aber zu den Hütehunden zählt, ist fraglich, ob all diese Hunde vielleicht einen gemeinsamen Ursprung haben und sich aufgrund ihrer Fähigkeiten, Lebensumstände (Haltungsumstände) und Witterungsverhältnisse ein ähnlicher Typ geprägt hat. Allerdings sind diese Verbindungen wegen fehlender Handelskontakte zwischen den einzelnen Ländern ungeklärt. | |
| Wahrscheinlicher ist die These, daß in all diesen Ländern völlig unabhängig voneinander große kräftige Hunde gezüchtet wurden, die über einen ausgeprägten Schutzinstinkt verfügten und stark und kraftvoll genug waren, Wölfe und andere wilde Tiere von den Herden fernzuhalten, außerdem mußten die Hunde in diesen Ländern über ein besonders wetterfestes Haarkleid verfügen, um Kälte, Wind und Regen trotzen zu können. | |
| Mr. G. Philips aus Glenvilet, ein alter Kenner der Rasse, ist sicher, daß Schottland das Ursprungsgebiet dieser Rasse ist, da dort das Hochland-Rindvieh und auch die Pferde ein zottiges, rauhes, dichtes Haar besitzen. Doch gab es zum Zeitpunkt des Berichtes hierüber -nämlich vor etwa 80 Jahren- relativ wenig Bobtails in dieser Gegend. Doch kann dies auch mit dem Rückgang der Schafzucht in großem Stil zusammenhängen. | |
| Der Bobtail wurde dort als der beste Hütehund überhaupt beschrieben. Das lag zum einen vielleicht daran, daß der Bobtail sich auch in größter Kälte und dichtestem Schneegestöber wohlzufühlen scheint. Zum anderen liegt es wahrscheinlich an der Tatsache, daß der Bobtail unbeirrt bei seiner Herde blieb; er ließ sich auch von Wild, das gelegentlich seinen Weg kreuzte, nicht aus der Ruhe bringen. | |
| Im Jahre 1876 veranstaltete man Preistreiben für Schäferhunde, bei denen dieBobtails ihre hervorragenden Fähigkeiten unter Beweis stellen konnten. Man sagt, die Schwierigkeit der zu lösenden Aufgaben könne nur der würdigen, der die außergewöhnlich scheuen walisischen Schafe kennt, bei diesem Wettbewerb brachte ein Mr. R JL. Price einhundert Schafe in ein zu diesem Zweck abgestecktes Gelände Die gesamte Herde wurde in einer Ecke eingepfercht, nur 3 Schafe wurden auf ein großes offenes Feld getrieben. Von diesem Feld aus mußte der Prüfling sie in einen kleinen Pferch bringen. Die Bobtails zeigten sich ihrer Aufgabe besonders gewachsen. sie legten sich hin, damit die Schafe sich erst wieder beruhigten, standen wieder auf, bewegten sich wieder einige Schritte vorwärts. Diese Aufgabe meisterten sie mit so großer Ruhe und Gelassenheit, daß die Schafe beinahe wie von selbst in den bestimmten Pferch gingen. | |
| Eine andere Prüfung bestand darin, daß jeder Bobtailbesitzer zehn von seinen eigenen Schafen mitbrachte, die dann zu einer großen Herde vereint wurden, aus dieser Herde mußte dann jeder Bobtail seine Schafe aussondern. Weiterhin mußten einzelne Tiere aus einer fremden Herde herausgefunden werden. Als nächstes mußten sie in einem unübersichtlichen, mit Unterholz bestandenen Gelände ein verlorenes Schaf suchen. Die letzte und schwierigste Aufgabe bestand darin, die eigenen zehn Schafe aus einem kleinen Pferch durch einen zweiten, in dem sich eine fremde Herde befand, in einen dritten zu treiben Durch ständiges Umkreisen seiner Herde führte er diese schließlich zu seinem Bestimmungsort. | |
| Bei all diesen Aufgaben zeigte der Bobtail eine große Gewandheit. Von erfahrenen Schäfern wurde bezeugt, daß man einem Bobtail durchaus zwei- bis dreihundert Schafe ganz allein anvertrauen kann, die er dann umsichtig und behutsam über größere Strecken treibt. Weiterhin ist überliefert, daß der Bobtail nach Ankunft der Herde am Bestimmungsort seinen Heimweg allein antreten mußte, während sein Herr die bequemere Heimreise mit der Kutsche vorzog. Auch fehlen in den Überlieferungen nicht die ansehnlichen Summen, die für einen solchen Hund bezahlt worden sind. | |
| Wenn sich solche Geschichten auch sehr spannend und abenteuerlich anhören, bekommt man doch zumindest eine ungefähre Ahnung von dem, was diese Hunde früher leisten mußten. | |
| Kenner behaupten, daß die Abrichtung des Bobtails nicht nach besonderen Regeln vorgenommen werden muß, sondern es sollen nur die natürlichen Anlagen geweckt und gefördert werden, da der Bobtail seit Jahrhunderten immer mit seinen Menschen zusammengelebt hat ist es zu erklären, daß er äußerst anpassungsfähig ist und seinen Menschen aufs Wort bzw. auf den kleinsten Wink folgt. | |
| Sämtliche Verfasser der Bobtail-Fachbücher weisen darauf hin, daß im 15./16. Jahrhundert auf Gemälden von Dürer und van Eyck bobtailähnliche Hunde dargestellt wurden. Auch auf das Gemälde von Gainsborough aus dem Jahre 1771, auf dem der Duke (Earl) of Buccleuch mit einem Hund dieses Typs zu sehen ist, wird immer wieder hingewiesen. | |
| In dem Buch "Der Bobtail" von Dagmar Ziegler-Vowinckel wird auch der aus dem 16. Jahrhundert stammende "Ellogues" erwähnt, in dem Michael Drayton auf den Hund "Whitefoot", der mit dem Stummelschwanz wedelt, hingewiesen wird. | |
| Shakespeare wird ebenso als Zeuge erwähnt da er in den "Lustigen Weibern von Windsor" die Hoffnung in vielen Dingen mit einem Hunde mit gekürztem Schwanz vergleicht. | |
| Alle Verfasser stimmen jedoch überein, daß der Hund seinen Namen bekam, weil im 18. Jahrhundert den arbeitenden Hunden der Schwanz kupiert (bobbed) wurde, da für diese Hunde dann keine Steuer entrichtet werden mußte. | |
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Henry Arthur Tilley, einer der Pioniere der OES-Zucht und Begründer des Zwingers "Shepton", der in dem Werk von Barbara Müller erwähnt wird, vertritt die gleiche These. Frau Barbara Müller weist in ihrem Buch "Der Bobtail" von 1995 darauf hin, daß "The Sussex Sheepdog" wohl einer der ersten Namen für englische Arbeitshunde war, da vermutlich verschiedene Hunde aus dem Süden Englands an der Entstehung beteiligt waren. Auch schreibt sie darüber, daß 1873 erstmals drei Hunde in Birmingham auf der Hundeausstellung in einer eigenen Klasse der breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Außerdem wurden 1875 zwei Hunde im Zuchtbuch des englischen Kennel-Club unter dem Namen "Short tailed English Sheepdog" eingetragen. Später wurden dann noch die Namen "Colley (English Short Tailed)" und "Sheep-Dog" (Bob-Tailes)" genannt. |
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| Seit 1893 wird der bekannte und anerkannte Name "Old English Sheepdog" bzw. Bobtail verwendet. | |
| Einer der bekanntesten Hunde des 19. Jahrhunderts war die Bobtail-Hündin "Ch. Fairwether" (geb. 10.05.1898), welche 19 CC’s (damaliger Rekord) errang. Besitzerin: Helen Fare-Fosse, Besitzerin des Zwingers "Weather". Der Körper dieser Hündin wurde präpariert und ist noch heute im Natural History Museum in Tring, Hertfordshire, ausgestellt. | |
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| H. A. Tilley prägte nach dem frühen Tod seines Bruders die namhafte "Shepton" Kennel mit seinen Hunden über mehrere Jahrzehnte. Freeman Lloyd verfaßte den ersten Rassestandard, welcher im Jahre 1890 vom englischen Kennel-Club anerkannt wurde. Weiterhin haben zur Reinzucht der Rasse Dr. Edward Kerr sowie in den zwanziqer Jahren Mary Sheffield die 1995 fast hundertjährig verstarb, beigetragen. | |
| Schon vor Ausbruch des Krieges wurden etliche wertvolle Zuchthunde nach Amerika geschickt, um sie vor Gefahren zu schützen. Nach Beendigung des Krieges war es dann natürlich schwierig, die Zucht wieder zu beginnen. Ende der fünfziger Jahre wurde diese Rasse langsam bekannt. Kontinuierlich stieg die Zahl der Liebhaber und Züchter. Leider entwickelte der OES sich in den siebziger Jahren zum Modehund, was unter anderem wahrschenlich darauf zurückzuführen war daß der Bobtail für Film und Werbung entdeckt worden ist . | |
| Die Nachfrage dieser Hunderasse stieg an, was natürlich dazu führte, daß ständig neue "Züchter" auftauchten, die die Rasse nicht unbedingt zu Ihrem Vorteil vermehrten. | |
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Claudia Bleich-Albrecht, 2004, Jede weitere Verwendung nur mit schriftlicher Erlaubnis der Autorin. |